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Violetter Knorpelschichtpilz (Chondrostereum purpureum [PERS.: FR.] POUZAR)

Die hierarchische Einteilung des Chondrostereum purpureum (PERS.: FR.) POUZAR

(Synonyme: Stereum purpureum (PERS.: FR.) Fr., Stereum lilacinum BATSCH ex PERS., Thelephora purpurea PERS.: FR.):

Der Fruchtkörper des Knorpelschichtpilzes gleicht der Wuchsform der Schichtpilze der Gattung Stereum. Er ist eigentlich resupinat (krustenartig), weit am Substrat herablaufend, kann aber auch 1-3 cm breite, vom Holz abstehende Hutkanten bilden. Die Hutoberseite ist zottig bis filzig (Tomentum) und grau bis purpurbräunlich gefärbt. Das Hymenium ist lila, purpurviolett oder purpurbräunlich, etwas gerunzelt oder höckerig (GERHARDT, 2002). Die Fruchtkörper bilden sich nur bei feuchter Witterung, sind jedoch gegen Austrocknung ziemlich widerstands-fähig und überleben eine Reduzierung des Wassergehaltes auf 22%. Die Rehydrierung bis zu einem Wassergehalt von 80% dauert weniger als 10 Minuten. Allerdings können bis zum Abschleudern der Sporen noch mehrere Stunden vergehen, da die Fruchtkörper die Basidiosporen nur bei ausreichender Feuchtigkeit entlassen (DE JONG, HOLDENRIEDER, SIEBER, 1998). Auch beim völligem Fehlen von violetten Farben ist der Pilz an seiner charakteristischen Schichtung, bei einem senkrechtem Schnitt durch den getrockneten Hut, gut zu erkennen: unter dem Haarfilz liegt eine dunkle, dichte, hornartig verhärtete und im Schnitt glänzende obere Tramaschicht, darunter eine lockere, weißliche Tramalage und abschließend ist ein dunkler Strich, das Hymenium, zu erkennen (JAHN, 1990). Das Sporenpulver ist weiß und inamyloid. Die Basidiosporen sind zylindrisch bis elliptisch, glatt, hyalin und haben eine Größe von 6-8 × 2,0-3,5 µm. Die Zystiden (sterile, sich meist von anderen Zellen deutlich abhebende, hervorragende Gebilde, welche oft im Hymenium, doch auch an anderen Stellen des Fruchtkörpers zu finden sind) sind schmal, spitz und gelegentlich apikal inkrustiert. Die Gattung Chondrostereum besitzt etwas gelantinisierte, monomitische Hyphen, die in der Trama, im Gegensatz zu den Arten der Gattung Stereum, zu rundlich aufgeblasenen Zysten anschwellen (GERHARDT, 2002). Auch die Bildung von Schnallen ist für den Chondrostereum purpureum (PERS.: FR.) POUZAR bezeichnend. Das Mycel reagiert, wie alle Weißfäuleerreger, beim Laktasetest mit einer Schwarz- oder Violettfärbung

Der Violette Knorpelschichtpilz ist in Europa flächendeckend verbreitet (DE JONG, HOLDENRIEDER, SIEBER, 1998). Er kommt auf abgestorbenen oder geschwächten Exemplaren verschiedener Laubholzarten, nur sehr selten an Nadelholz, vor.

Er ist sehr häufig an den Schnittflächen gefällter Birken und Buchen, aber auch auf der Rinde zu finden und erscheint dort fast ganzjährig, meistens jedoch von Herbst bis ins Frühjahr (GERHARDT, 2002). Der Chondrostereum purpureum (PERS.: FR.) POUZAR ist ein Ruderalstratege (Organismen, die an stark gestörten Standorten, mit guter, aber diskontinuierlicher Nährstoffversorgung leben. Sie haben eine hohe Reproduktionsrate und sind durch schnelles Wachstum und kurze Lebenszyklen gekennzeichnet [Dörfelt, 1989]) und gehört zu den Erstbesiedlern von Wunden an Holz. Er ist somit eine Charakterart der Initialphase, ähnlich wie der Krustenpilz Cylindrobasidium evolvens und dem Hyphomyceten Bispora antennata, mit denen er oft vergesellschaftet ist. Tritt diese Initialgesellschaft an Buchenholz auf, nennt man sie Bisporetum antennatae (DE JONG, HOLDENRIEDER, SIEBER, 1998). Der Pilz kann wahrscheinlich in lebenden Pflanzen existieren, auch ohne Symptome zu erzeugen. Erst bei Schwächung der Pflanzen treten Merkmale wie Bleiglanz an Obstgehölzen oder Absterbeerscheinungen auf. Bleiglanz, auch Milchglanz oder Silberglanz (engl.: silver leaf disease) genannt, wird durch die Abgabe von Toxinen, welche der Pilz bildet, bewirkt, die über den Nährstoffkreislauf der Pflanze in die Blätter gelangen und dort eine Ablösung der Epidermis bewirken. Der so entstandene Zwischenraum füllt sich mit Luft und durch die veränderte Lichtbrechung erhalten die Blätter eine mattgraue, silbrige bzw. bleiartige Färbung. Über die Chronologie der Pilzinfektion und den Symptomen bei Bekämpfungsversuchen an der Traubenkirsche ist bekannt, das der Bleiglanz im ersten Jahr nach der Anwendung auftritt. Weiterhin verlieren die Blätter ihren Tugordruck und sterben ab, wobei sie, über den Zeitpunkt des natürlichen Blattfalls im Herbst hinaus, am Ast verbleiben. Ein Austrieb im zweiten Jahr sollte nicht oder nur vermindert erfolgen, da der Pilz jetzt schon langsam seine Wirkung verliert und Folgeorganismen den Platz räumt. Dieses empirische Wissen ist keineswegs gesichert und kann nur als vage Grundlage für weitere Versuche dienen.

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